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3. Dezember 2010: Pfeifen die Spatzen von den Dächern...

...isses 'raus

Wenn wir uns schon wieder auf das Ende-der-90er-Jahre-Niveau herablassen müssen, sollten wir unbedingt bedenken, dass "damals" schon einmal versucht wurde, den vermeintlichen Goldesel in Friedrichskoog als Kuh zu behandeln. Die Sache ging nach hinten los. Jetzt haben wir gerade wieder ein richtig gutes Niveau erreicht, da klettert einer in den Keller und da kommt ein Einzelner auf die Idee, die Ölkuh melken zu wollen. Außerdem sollen die Seehunde Milch geben, beim Wal will man das Euter suchen, die Werft ansaugen und vielleicht setzen die toten Fische ja auch noch ein bisschen Goldstaub an. Es ist brandgefährlich, solches Vorhaben zu Papier zu bringen; zumal die Inhalte sich rasendschnell herumsprechen. Die Seehundmilch ist schon sauer geworden, beim Wal ist es fraglich, ob der Milch geben will, und der Öldollar ist so flüchtig wie Flamingos im Speicherkoog verweilen.

Milch und Goldstaub sind was für Träumer. Der Realist rechnet in Euro.


Auf den so oft geäußerten Wunsch hin, geht's jetzt doch weiter!

Ich pfeif drauf, sagte der Specht, und baute sich eine Höhle im Telegraphenmast...


2. Dezember 2010: Frö-hö-liche Weih-nacht ü-ber-all...

...ko-hom-met der Wahn-sinn mit Kra-wall

Es wäre an der Zeit, eine Traueranzeige aufzugeben. Wir trauern um die Gemeinsamkeit der Menschen. Wir trauern um die Einheit unseres Ortes, die uns schon vor vielen, vielen Jahren verlassen hat. Wir trauern um die politische Vernunft. Wir trauern darum, dass Positionen falsch besetzt werden. Wir trauern darum, dass Ziele gefährdet werden.

Unser Ort hat gerade den Zustand von vor zehn, elf, zwölf Jahren wieder erreicht bzw. diese Phase leider nie vollkommen verlassen. Vor gut zehn Jahren wurden Fensterscheiben zerschlagen, Autos mit Farbe beschmiert, Gärten verschandelt und anonyme Briefe geschrieben. Letzteres hat in den gesamten zehn Jahren nicht aufgehört. Und diejenigen, die diese "Briefe" erhielten, waren mehr als eine Person, mehr als zwei, mehr als drei und dennoch ein kleiner Kreis. Jetzt sind wieder "Briefe" verschickt worden. Ob der Absender all die Jahre eine Person war oder ob es mehrere waren: es bleibt sich gleich. Denn sie hätten eines gemeinsam: Dem jeweiligen Verfasser fehlt Mut, fehlt Herz, fehlt Verstand, fehlt Zuversicht, fehlt Freude am Dasein und ziemlich offensichtlich fehlen auch Freunde. Wer so viel Hass in sich trägt, verdient Mitleid. Eigentlich. Aber gegen Schizophrenie ist doch vielleicht auch ein Kraut gewachsen?


Alles nur Prosa...

Aus gegebenem Anlass sehen wir (ich und ich und der Rest der Welt) uns gezwungen, das mal zu lassen. Denn es fühlen sich immer nur die angesprochen, die absolut nicht gemeint waren. Mal völlig abgesehen davon, dass meistens überhaupt keiner gemeint war. Alles nur Prosa...


9. November 2010: Oh du Fröhliche

Wenn einem die Ohren klingeln, muss man nicht gleich die Glocken läuten

Die Redewendung, dass jemandem umgangssprachlich die Ohren klingeln, soll heißen, dass jemand spürt, dass in seiner Abwesenheit über ihn gesprochen wird. Das Ganze rührt daher, dass der leise, hohe Ton, den Menschen gelegentlich im Ohr haben, im Volksglauben damit verbunden wurde, dass ein anderer über einen redet. Nun gibt es Menschen, die haben Ohren wie ein Luchs, und hierzulande kennt man auch Menschen, die das Gras wachsen hören. Ohren kann man zudem aufmachen, aufsperren, auftun, man kann sie spitzen, man kann sie aber auch steifhalten, um nicht den Mut zu verlieren. Lässt man dann die Ohren hängen, ist es schon fast zu spät. Aber das ist immer noch besser, als sich die Ohren zu brechen, sich also übertrieben und letztlich vergeblich abzumühen. Man könnte die Ohren nun auf Durchzug stellen oder dieselbigen verschließen, hat man sie aber auf Empfang gestellt, ist es gut ein feines Ohr zu haben, um Nuancen zu empfinden. Dabei darf man Bestimmten nicht zu nahe kommen. Denn prompt könnte es einen Satz heiße Ohren setzen, wenn man zu spitze oder gar zu lange Ohren gemacht hat.

Vergnügen bereiten kann es allerdings, jemandem sein Ohr zu leihen oder gar das geneigte Ohr zu schenken. Dann hat man nämlich ein offenes Ohr und ist wohlwollend und ist geneigt, sich mit einem vorgebrachten Anliegen zu beschäftigen. Unangenehm ist aber, wenn das missbraucht wird, um jemandem die Ohren voll zu jammern oder gar zu blasen. Dann könnte das Gegenüber geneigt sein, dem Agigator zumindest sinnbildlich die Ohren lang zu ziehen, ihn also zu tadeln oder zurechtzuweisen. Schlimm ist es, wenn man hier nun auf taube Ohren predigt. Und man könnte fragen: "Wo hast du deine Ohren?" Der Gefragte könnte auf seinen Ohren sitzen oder auf einem bestimmten Ohr schlecht hören, weil er von einer definierten Sache nichts wissen will, dem also ablehnend gegenübersteht. Das könnte bei dem Anderen wiederum dazu führen, dass er seinen Ohren nicht traut.

Manchmal sind Dinge für jemandes Ohr nicht bestimmt oder einfach für fremde Ohren nicht und schon gar nicht für zarte Ohren, weil man etwas hinter die Ohren bekommen könnte. Das sollte man sich dann hinter die Ohren schreiben, wenn man hinter denselbigen schon trocken ist. Im Zweifel hat man schließlich womöglich etwas im Ohr, das einen nicht mehr los lässt. Nun könnte man mit den Ohren schlackern, wenn es noch überraschend wäre. Man wünscht sich aber vielleicht, man hätte doch besser nur mit einem halben Ohr hinhören sollen, weil manche Dinge schlicht unwichtig sind.

Wenn jemand schließlich und endlich einen anderen übers Ohr haut, kann man sich wünschen, dass er beschämt mit roten Ohren abzieht, weil er fürchten muss, dass es jemandem zu Ohren kommt. Aber vielleicht ist der eine auch nur bis über beide Ohren verliebt (ach du lieber Himmel), oder jemand hat ihm einen Floh ins Ohr gesetzt (äähh), und er ist deshalb ein bisschen durcheinander. Schlimmer wäre es jedenfalls, er wäre bis über beide Ohren verschuldet und hätte es quasi faustdick hinter den Ohren. Dann täte er bis über die Ohren drin stecken.

Manchmal haben Wände Ohren, aber zuletzt ist es immer am wichtigsten, schönsten und gesündesten, sich einfach kuschelig aufs Ohr zu hauen.


5. November 2010: Na endlich!

Der Dithmarschen-Express läuft. Achtung an den Bahnübergängen!

Jetzt heißt es, diszipliniert und geduldig sein, zielstrebig und diplomatisch. Die Sache läuft, und wer will, kann auf den Zug 'raufhopsen. In die gegenläufige Richtung geht, wer den Holzhammer 'rausholt. Lokführer darf der sein, der Gefühl in den Fingerspitzen besitzt.

Leute, drückt die Daumen!

Und Mädels! Nehmt nicht alles soooooo ernst, was auf der Deichwelt steht. Niemand ist persönlich gemeint.

Um es noch einmal mit Goethe zu sagen, den ich schon im August herangeholt hatte:

"Wahrheitsliebe zeigt sich darin, daß man überall das Gute zu finden und zu schätzen weiß."

"Kannst du lesen, so sollst du verstehen; kannst du schreiben, so mußt du etwas wissen; kannst du glauben, so sollst du begreifen; wenn du begehrst, wirst du sollen; wenn du forderst, wirst du nicht erlangen; und wenn du erfahren bist, sollst du nutzen."

"Man tut immer besser, daß man sich grad ausspricht, wie man denkt, ohne viel beweisen zu wollen: denn alle Beweise, die wir vorbringen, sind doch nur Variationen unserer Meinungen, und die Widriggesinnten hören weder auf das eine noch auf das andere."

Ach, und eins noch dazu passend: Wenn man in schriftlichen Niederlegungen Namen und Taten erwähnt und dabei immer bestimmte Namen und Taten doll groß hervorhebt und andere Namen und Taten lieber gerne mal weglässt, dann nennt man Letzteres "Totschreiben". Aber Totschreiben muss man erst mal können.